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05.01.2009 - Religion Geschichte
Heilige Drei Könige?

Die Heiligen Drei Könige auf dem Fries von San Apollinare Nuovo in Ravenna

Am 6. Januar wird das Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert. Aber was steckt da genau dahinter? Die einzige Bibelstelle darüber finden wir bei Matthäus:

2.1 Als aber Jesus zu Bethlehem in Judaea geboren war, in den Tagen des Koenigs Herodes, siehe, da kamen Weise vom Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: 2.2 Wo ist der Koenig der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen. 2.3 Als aber der Koenig Herodes es hoerte, wurde er bestuerzt und ganz Jerusalem mit ihm; 2.4 und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. 2.5 Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judaea; denn so steht durch den Propheten geschrieben: 2.6 `Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fuersten Judas; denn aus dir wird ein Fuehrer hervorkommen, der mein Volk Israel hueten wird. 2.7 Dann berief Herodes die Weisen heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung des Sternes; 2.8 und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem Kindlein; wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige. 2.9 Sie aber zogen hin, als sie den Koenig gehoert hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben ueber [dem Ort] stand, wo das Kindlein war. 2.10 Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr grosser Freude. 2.11 Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm; und sie taten ihre Schaetze auf und opferten ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhe. 2.12 Und als sie im Traum eine goettliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurueckzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land.

In 2.1 heisst es, dass Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem. Das Wort im griechischen Originaltext lautet μάγοι (magoi), der plural von μάγος (magos). Es handelt sich dabei aber nicht um Magier wie wir das fälschlicherweise übersetzen würden. Es sind aber auch nicht Weise gemeint. Die Griechen brauchten das Wort μάγος (magos) um die Priester des Zoroastrismus zu bezeichnen. Schon bei Jeremias finden wir das Wort ins Hebräische eingebürgert wenn er in 39.03 und 39.13 Reb Mag (Rabiner Magos) für den persischen Hohepriester gebraucht. Diese Priester kamen aus dem Sonnenaufgang (ανατολών = “wo sich die Sonne erhebt”) Die arabischen Händler aber gelangten normalerweise von Norden über Syrien her nach Judäa. Daher mussten unsere „Weisen“ von irgendwo weiter im Osten herkommen. Bis zum konstantinischen Edikt von Mailand (313) gab es für das Christentum harte Konkurrenz, vor allem der Zoroastrismus und seine Ableger wie der Mithras Kult oder der Manichäismus. Mit der Anbetung Jesu durch die persischen Priester will die Bibel die Überlegenheit der christlichen Religion über die anderen Religionen beweisen.

Die Reise von Persien nach Jerusalem benötigt eine recte Zeitspanne, das heisst, dass sie doch ziemlich nach der Geburt in Bethlehem eintrafen. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass Herodes befiehlt, alle Knaben bis zum zweiten Lebensjahr um zu bringen. Die „Weisen“ besuchen die Heilige Familie nicht im Stall wo sie sich nach Lukas befinden sollte, sondern im Haus (οικία gr. = „Haus“, domus lat. In der Vulgata). Nach Matthäus spielt sich das Ganze in Bethlehem ab, während bei Lukas die Familie gleich nach der Präsentation im Tempel, die gemäss Leviticus 40 Tage nach der Geburt statt fand, nach Nazareth ging. Auch weiss Lukas nichts von der Flucht nach ägypten zu berichten.

Das ist alles, was wir in der Heiligen Schrift finden, deren Zusammensetzung erst 1546 durch das Konzil von Trient auf der Liste, die der Kirchenlehrer Athanasius in seinem 39. Osterbrief von 367 gibt, basierend verbindlich festlegte.

Über die Anzahl der „Weisen“ gab es verschiedene Ansichten. In der Ostkirche, vor allem Syrien und Armenien, ging man von Zwölfen aus, die Zahl der israelischen Stämme und der Apostel, während in Ägypten die Zahl Sechzig angenommen wurde. Auf Bildern in den Katakomben sind es mal drei, mal vier, ja sogar nur zwei wie im Friedhof des Sankt Petrus und Sankt Marcelinus. Der Kirchenlehrer Origenes gibt, sich auf die Anzahl der Geschenke berufend, die Zahl drei an. Ebenso wurde eine Stelle des Alten Testaments („Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, diee Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben“ Psalmen, 72.10) herangezogen, nicht nur um die Zahl drei festzulegen, sondern auch um die „Weisen“ im Rang zu erhöhen. Ihre heutigen Namen werden zum ersten Male im armenischen Kindheitsevangelium erwähnt. Es handelt sich dabei um drei Könige, die Brüder sind: Melquon, König von Persien, Balthasar, König von Indien und Gaspar, König von Arabien. Schlussendlich finden wir die drei mit ihren Namen auf dem Fries von San Apollinare Nuovo in Ravenna (Italien) abgebildet.

Der Reliquienschrein der Heiligen Drei Könige

Der Legende nach wurden ihre Gebeine von Flavia Iulia Helena Augusta, der Mutter Kaisers Konstantin, während einer Pilgerreise im Heiligen Land gefunden. Einer der Söhne Konstantins vermachte sie dem mailändischen Bischof Eustorgius. Friedrich Barbarossa eroberte 1158 Mailand und übergab die Reliquien an Rainald von Dassel, seines Zeichens Erzbischof von Köln. Am 23 Juli 1164 gelangen sie endlich an ihren Bestimmungsort, den Kölner Dom, wo sie sich auch heute noch befinden.

Das Fest der Heiligen Drei Könige wird am 6 Januar gefeiert und der iberische Brauch, die Geschenke an diesem Tag zu machen und nicht an Weihnachten, stammt erst aus der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts.

P.S.: Der Brauch am 6. Januar C + M+ B und die jeweilige Jahreszahl auf oder über die Haustür zu schreiben, hat nicht mit den Drei Königen zu tun. Es bedeutet „Cristus mansionem benedicat“ (Christus möge dieses Haus segnen) und rührt von einem römischen Brauch her. Janus war der Gott der Türen, aber auch des Jahresanfang. Aber mehr über die heidnischen Wurzeln der Weihnachtstage mal später, vielleicht zur Weihnacht 2009.

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