25.02.2007 - Verhaltensforschung
Jagdintrumente bei Schimpansen
Der Mensch sieht sich normalerweise als Krone der Schöpfung. Dieser Meinung nach besteht die Welt aus unbelebter Materie, Pflanzen, Tieren und eben dem Menschen, der sich durch vieles von den niederen Tieren unterscheidet. Darwin versetzte mit seiner Abstammungslehre dieser Hybris einen ersten, entscheidenden Schlag. Nach und nach kamen Entdeckungen und Ausgrabungen hinzu, welche die Geschichte der menschlichen Evolution untermauerten. Das vorläufig letzte Glied dieser Beweiskette liefert uns die Genetik und die molekulare Phylogenie. Nichts desto trotz beharren wir aber auf unserer Sonderstellung, in dem wir uns verschiedene Fähigkeiten zuschreiben, die angeblich den anderen Lebewesen fehlen. Dazu gehören unter anderem das Wahrnehmen des wahrscheinlich kommenden und die entsprechende Vorausplanung, eine Gabe die aber auch die Buschhäher besitzen, wie ich im vorhergehenden Artikel (Siehe: Vorsorge bei Vögeln) aufzeigte, oder das gezielte Herstellen von Werkzeugen und nicht nur der Gebrauch von natürlichen Gegenständen als Hilfsmittel.
Wie das Magazin CURRENT BIOLOGY in seinem Vorabdruck des Artikels von Jill D. Pruetz und Paco Bertolani seiner Ausgabe Nº 17 vom 6. Mär 2007 veröffentlicht, ist auch diese Meinung über die Werkzeugherstellung falsch. Es ist schon lange bekannt, dass Schimpansen Zeige gebrauchen, um Termiten aus dem Bau zu angeln, oder Steine, um Nüsse zu knacken. Das Team um die beiden Forscher konnte nun zum ersten Male beobachten, wie Schimpansen Jagdwerkzeuge herstellten.
Neben den Schimpansen leben im Fongoli Gebiet Senegals auch Buschbabys (Galago senegalensis).Diese kleine Affenart ist nachts aktiv und verkriecht sich tagsüber in r Baumhöhlen. Um sie zu jagen brechen die Schimpansen Äste ab, die sie zuerst mal von Blättern und Seitenzweigen reinigen. Dann wird das Ende mit den Zähnen zugespitzt, so dass eine Lanze entsteht. Mit dieser stechen sie nun energisch in die Höhle rein. Erst danach erweitern sie den Höhleneingang um die Beute raus zu nehmen. Das Zustossen mit der Lanze soll allem Anschein nach die Buschbabys verletzen und damit bewegungsunfähig machen, da sie, falls nur aufgestöbert, dank ihrer Gewandtheit den Schimpansen entwischen würden.
Diese Beobachtungen sind in mehrfacher Weise interessant. Hominide Lanzen sind erst ab 400'000 B.P. belegt. Dies liegt sicherlich daran, dass organisches Material sehr schwer konservierbar ist. Durch dieses Verhalten der Schimpansen darf man schliessen, dass der Gebrauch von Lanzen oder dergleichen sicherlich viel älter ist. Ausserdem war die Mehrzahl der bei der Herstellung und Benutzung beobachteten Schimpansen entweder Weibchen oder Heranwachsende. Das könnte einen interessanten Einblick in die Organisation und Arbeitsteilung bei den frühen Hominiden geben.
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