22.12.2008 - Religion
Nikolaus, Santa Claus und Luther
Ein Jahr mehr wohnen wir dem weihnachtlichen Kampf bei. Wer wird wohl gewinnen, Papa Noël, Santa Claus, der Weihnachtsmann oder das Christkind? Es ist eigentlich an der Zeit, mehr darüber zu wissen.
Alles fing mit Nikolaos von Myra (Νικόλαος Μυριώτης) an, der zwischen 270 und 286 in Patara geboren wurde und am 6 Dezember 326, 345, 351 oder 356 starb. Über sein Leben weiss ziemlich wenig, ausser dass er Bischof von Myra, dem heutigen Demre in der Nähe von Antalaya, war. Angeblich nahm er am Konzil von Nikäa teil, obwohl er nicht auf der Liste der Teilnehmer, die aber nicht vollständig erhalten blieb, zu finden ist. Es scheint dass er aus einer reichen Familie kam und sein Vermögen unter die Armen verteilte. Italienische Kaufleute brachten seine Gebeine 1087 vor den annähernden Seldschuken nach Bari (Italien) in Sicherheit, wo sie sich auch noch Heute befinden.

Es ist vor allem eine Legende, die ihn zu dem machte, als den wir ihn kennen, den Sankt Nikolaus: Ein armer Mann plante seine drei Töchter als Prostituierte zu verkaufen, da er sie aus Mangel einer Mitgift nicht verheiraten konnte. Nikolaus erfuhr von dem Vorhaben und legte an drei auf einander folgenden Nächten je eine Kugel aus Gold auf das Fenstersims der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht aber ertappte ihn der Vater der drei und dankte ihm für die Gabe. Daher wird der Heilige immer mit drei Goldkugeln oder drei goldigen Äpfeln dargestellt.
Mit der Zeit wurde er zu einem der meist verehrten Heiligen der Orthodoxen Kirche. Sein Kult kam durch Theophanu, die Gemahlin Kaiser Ottos II byzantinischer Herkunft, ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Sein Tag ist der 6. Dezember. Mit der Legende von den drei Mädchen als Hintergrund beschenkte man sich in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember und nicht wie heutzutage in der Nacht vom 24. Auf den 25. desselben Monats.
Dies wurde in der Folge durch die Reformation geändert, da ja die Protestanten keine Heiligen und Schutzpatrone kennen. Aus diesem Grund ersetzte Martin Luther den Sankt Niklaus durch das Christkind, welches von da an die Geschenke in seiner Geburtsnacht brachte. Die Katholiken blieben jedoch beim alten Brauch des 6. Dezembers, bis um 1900 auch sie auf den Weihnachtsabend wechselten. Die Protestanten ersetzten allmählich das Christkind durch den Weihnachtsmann, sozusagen ein kompletter Rollentausch. Die USA adoptierte den Namen, den holländischen Gründer New Amsterdams, des späteren New York, gebrauchten, änderten aber Sinterklaas in Santa Claus ab. So sehen wir nun Dank der amerikanischen Multis anstelle des würdigen Bischof, einen mit einem roten Pyjama bekleideten Mann.
Eine weitere Transformation wurde in den kommunistischen Ländern, allen voran die UDSSR, versucht. Da der Staat ja atheistisch war, wurde der Heilige kurzer Hand in Väterchen Frost (Дед Мороз) umbenannt. Am 19. Dezember dieses Jahres gab es sogar eine Demonstration gegen Santa Claus bei der eine Petition mit 20‘000 Unterschriften für die Bewahrung der tschechischen Bräuche eingereicht wurde. „Wir haben Väterchen Frost überlebt, dasselbe wird mit Santa Claus passieren“ war ein Kommentar.
In Ländern wie Schweiz, Österreich oder Deutschland wird der Nikolaustag noch heute gefeiert. Er besucht oft die Kinder in Person und beschenkt sie mit Orangen, Mandarinen, Nüssen, Feigen, Datteln, Lebkuchen etc. Ausserdem lobt oder tadelt er die Kinder, deren Taten im goldenen Buch festgehalten sind, für ihr Verhalten während des Jahres. Meist gibt er ihnen Zeit bis Weihnachte um sich zu bessern, falls sie Geschenke vom Christkind erhalten wollen.
Frohe Weihnachten
P.S.: Einen andern Artikel werde ich den Heiligen Drei Königen widmen.
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